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Unsere Unterstufe

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Klassenlehrerzeit bedeutet Lernen am Lehrer

Die Klassenlehrer*innen haben eine enge Beziehung zu den Schüler*innen und begleiten die Kinder von der ersten bis zur achten Klasse. In Zusammenarbeit mit den Fachlehrer*innen schaffen sie die Bedingungen, um Kindern entdeckendes Lernen und die Verknüpfung unterschiedlicher Wahrnehmungen zu ermöglichen.
Waldorflehrer*innen sind gefordert: Neben der intensiven Betreuung der Kinder auch über den reinen Schulunterricht hinaus in Form von Familienbesuchen und Elterngesprächen verlangen die kollegiale Selbstverwaltung, die intensive Elternarbeit und zahlreiche außerplanmäßige Schulveranstaltungen einen besonderen Einsatz von den Lehrer*innen. Derzeit arbeiten 35 Waldorfpädagogen in Voll- oder Teildeputat für die Freie Waldorfschule München Südwest (Stand März 2020).

Bewegtes Klassenzimmer – Sinnesschulung durch Bewegung

In den ersten beiden Klassen haben die Schüler*innen anstelle von festen Schreibtischen und Stühlen bewegliches Mobiliar in Form von leicht beweglichen, vielseitigen Bänken und weichen Polstern. Diese ermöglichen es, durch wenige Handgriffe unterschiedliche Sozialformen (Kreis, Reihen, Gruppentische) im Klassenzimmer entstehen zu lassen. Zudem entsteht Bewegung im Klassenzimmer, die besonders die jungen Schüler*innen dringend benötigen. Das Mobiliar kann auf verschiedene Weise genutzt werden, so etwa zum Aufbau eines Parcours, in welchem die Kinder ihre fein- und grobmotorischen Fähigkeiten üben und weiterentwickeln können.

Formenzeichnen

Die Individualität des Menschen ansprechen und ihre Fähigkeiten zur Entfaltung bringen gelingt am besten über die Kunst: Das Formenzeichnen fällt in den Bereich des Kunstunterrichtes, der sich von der ersten Klasse bis zum Schulende durchzieht. Malen und Zeichnen sind Bestandteile des Faches Bildende Kunst, das Formenzeichnen steht am Anfang des Zeichnens und erstreckt sich durch die ersten Schuljahre bis zur 6. Klasse. Schon in der ersten Schulstunde lernen die Kinder in der Waldorfschule die Polarität des Geraden und des Gebogenen kennen. Es sind die beiden Gestaltungskräfte, die der Welt zugrunde liegen.

Ackerbau

Um das neunte Lebensjahr herum findet bei den Kindern ein großer Umbruch in ihrer Entwicklung statt. Waren sie bis jetzt noch seelisch eingebettet in das Gefühl, eins mit der Welt zu sein und in paradiesi­scher Weise genährt, umsorgt und geleitet zu werden, ohne etwas dafür tun zu müssen, so ändert sich dies nun.

Der Lehrplan der Waldorfschule greift diesen Entwicklungsschritt der Kinder auf, indem er sie durch entsprechende Epochen, Tätigkei­ten und Geschichten auf ihrem Weg in die Welt hinein begleitet. Das Ergreifen der Erde in all seiner Vielfalt, vom Bearbeiten des Bodens über den Bau von Behausungen bis hin zur Herstellung von Ge­brauchsgegenständen, Werkzeugen und vielem anderen mehr, was zum Leben und zur Arbeitserleichterung dient, steht jetzt im Vorder­grund allen Tuns. Hier schließt die Acker­bauepoche an. Die Kinder erfahren zunächst einiges theoretisch durch die Erzählungen und Darstellungen des Lehrers, die so leben­dig und befeuernd durchgeführt sein sollten, dass sie zu Erwartung und Schaffensdrang führen und es alle hinaus auf den Acker drängt, um selber tätig zu werden.
Denn was in der Ackerbauepoche durch das eigene Schaffen an Willens-, Gefühls- und Gedankenkräften angeregt wird, kann keine theoreti­sche Darstellung alleine bewirken.

Tierkunde

Die Schüler*innen beurteilen mit zunehmender Selbstständigkeit, jedoch anders als es Erwachsenen möglich ist, nahezu ausschließlich aus der Empfindung. Aus der großen seelischen Nähe zu Tieren einerseits und dem gewachsenen Selbstbewusstsein andererseits können nun besonders gut wichtige Besonderheiten des Menschen und zugleich Charakteristika der Tiere erfasst werden. Daher findet in der 4. Klasse nun Menschen- und Tierkunde statt.

Heimatkunde

Die Kinder lösen sich vermehrt von rein bildhaften Darstellungen (wie z. B. in Märchen und Fabeln) und suchen nun das Konkretere beispielsweise in der Natur und in der äußeren Wahrnehmung. Die Orientierung in Raum und Zeit wird präziser, Fragen wie insbesondere „woher komme ich?“ und „wer bin ich?“ gewinnen weiterhin an Bedeutung. Auch die Heimatkunde soll auf diese Fragen aus ihrer Perspektive Antworten geben.

Hausbauepoche

In der Hausbauepoche geht es nicht mehr um das Sich-selber-ernähren-Können (Tiere, die sich bewusstseinsmäßig stets in der Einheit befinden, wie eben auch kleine Kinder vor dem Rubikon, bekommen ihre Nahrung geschenkt; sie werden versorgt), sondern das Vertrauen zu stärken, dass wir hier nicht schutzlos dem Wind und Wetter ausgeliefert sind, sondern uns wiederum dank unserer eigenen Arbeitskraft eine Hülle, einen Schutz schaffen können. Damit dies aber gelingt, müssen wir einerseits unsere vorausplanende Gedankenkraft nutzen, andererseits müssen wir mit den anderen Menschen zusammenarbeiten. Hier wird wieder deutlich, dass wir nicht alles alleine tun können und müssen, sondern uns absprechen und auch die Fähigkeiten jedes Einzelnen nutzen dürfen. Auch hier ist für die Kinder spürbar: Ich bin hier und kann dieses, du bist dort und kannst jenes. Ist das Haus standfest gebaut, die Ernährung und das Überleben gesichert, so können die Kinder mit Mut und Vertrauen als Mensch hier auf der Erde wandeln, sich ihrer eigenen Schaffenskraft bewusst werdend.